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Wissenswertes

Steckbrief

  • Einwohnerzahl: 435

  • Flächenausmaß: 1.148 ha

  • Seehöhe: 265 m

Neustift bei Güssing ist eine idyllische Gemeinde im südlichen Burgenland, eingebettet in die sanfte Hügellandschaft der Region rund um Güssing. Die Ortschaft vereint ländliche Ruhe, naturnahe Lebensqualität und eine lebendige Dorfgemeinschaft.

Geprägt von weitläufigen Wiesen, Wäldern und landwirtschaftlichen Flächen bietet Neustift sowohl Einheimischen als auch Besuchern einen Ort zum Durchatmen und Wohlfühlen. Die Region ist bekannt für ihre sonnige Lage, ihr mildes Klima und ihre Nähe zu zahlreichen Ausflugszielen im Südburgenland.

Trotz seiner überschaubaren Größe verfügt Neustift über ein aktives Gemeindeleben mit traditionellen Veranstaltungen, engagierten Vereinen und einem starken Zusammenhalt. Brauchtum und Gemeinschaft werden hier gepflegt und gelebt.

Durch die gute Anbindung an die Bezirksstadt Güssing sowie die Nähe zur Thermenregion und zu den Nachbarländern Ungarn und Slowenien bietet Neustift auch eine attraktive Lage für Pendler und Erholungssuchende gleichermaßen.

Neustift bei Güssing steht für Lebensqualität im Einklang mit Natur und Tradition – ein Ort, an dem man gerne zuhause ist.

Geschichte und Entwicklung

Die Geschichte von Neustift bei Güssing reicht weit in die Vergangenheit zurück. Zwei Hügelgräber im sogenannten Fidischwald zeugen von einer frühen Besiedlung der Region bereits in vorgeschichtlicher Zeit.

Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort im Jahr 1428 im Zusammenhang mit dem Herrschaftsgebiet der Burg Güssing. In diesem Stiftungsbrief scheint Neustift unter den Namen Gederfew bzw. Gödörfö auf. Die erste deutsche Bezeichnung „Neustift“ findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1604. In den Pfarrmatrikeln entwickelte sich der Name über verschiedene Schreibweisen wie Noistift, Nuistift und Neistift schließlich zur heutigen Form.

Aufgrund der Nähe zur Burg Güssing war der Ort immer wieder von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. Bereits im 13. und 14. Jahrhundert kam es zu Belagerungen und Machtkämpfen rund um die Burg, unter anderem durch Truppen von König Přemysl Ottokar II., Herzog Albrecht von Österreich sowie König Karl Robert von Anjou. Auch spätere Ereignisse wie die Türkenbelagerung im Jahr 1532 oder die Verwüstungen durch Bocskays Haiduken im Jahr 1605 brachten Leid über die Region.

Im 16. Jahrhundert befand sich Neustift im Besitz der Familie Batthyány, die hier mehrere Gehöfte unterhielt. In den folgenden Jahrhunderten wechselte der Ort mehrfach durch Verpfändungen den Besitzer, blieb jedoch eng mit der Herrschaft Güssing verbunden.

Um 1700 entstand vermutlich die erste römisch-katholische Schule im Ort, ebenso wurde in dieser Zeit eine kleine Glocke angeschafft. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Bildungswesen weiter: 1824 wurde eine evangelische Notschule eingerichtet, 1860 folgte der Bau einer regulären evangelischen Schule. Ebenfalls im Jahr 1860 siedelten sich erstmals Roma-Familien im Ort an. Weitere wichtige Einrichtungen entstanden mit dem Neubau der römisch-katholischen Schule (1879), der evangelischen Schule (1889) sowie der Errichtung eines Postamtes im selben Jahr.

Der Erste Weltkrieg forderte auch in Neustift zahlreiche Opfer. Einen wichtigen Schritt in die Moderne stellte die Elektrifizierung des Ortes im Jahr 1949 dar, während abgelegenere Ortsteile erst Ende der 1950er-Jahre an das Stromnetz angeschlossen wurden.

Heute verbindet Neustift bei Güssing seine lange Geschichte mit einer lebendigen Gegenwart und bewahrt dabei das kulturelle Erbe der Region.

Neuere Geschichte

Die Entwicklung von Neustift bei Güssing in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist geprägt von Modernisierung, Infrastrukturaufbau und einem starken Gemeinschaftsgeist.

Das größte Gebäude des Ortes ist das Schulgebäude, dessen Errichtung im Jahr 1954 begann. Die Bauzeit erstreckte sich über mehrere Jahre und stellte für die damalige Zeit ein bedeutendes Projekt dar. Die Finanzierung wurde größtenteils von der Burgenländischen Landesregierung getragen. Mit dem Schuljahr 1958/59 konnte schließlich der Unterricht im neuen Gebäude aufgenommen werden. Die Schule entwickelte sich rasch zu einem zentralen Ort des Gemeindelebens.

In den 1950er-Jahren war die Infrastruktur noch wenig ausgebaut. Es gab kaum befestigte Straßen, und viele Wege waren schwer passierbar. Einen entscheidenden Fortschritt brachte der Bau der Bundesstraße im Jahr 1956, durch die eine wichtige Verbindung zwischen Heiligenkreuz im Lafnitztal und Güssing geschaffen wurde. In den 1960er-Jahren begann zudem der systematische Ausbau der Güterwege, was die landwirtschaftliche Bewirtschaftung deutlich erleichterte und die Erreichbarkeit der Ortsteile verbesserte.

Ein besonderes Kapitel der Ortsgeschichte stellt das Jahr 1964 dar: In Neustift wurde der erste Schlepplift im gesamten Burgenland errichtet. Dieses Projekt zeigte den Innovationsgeist der Gemeinde, musste jedoch nach einiger Zeit aufgrund wirtschaftlicher und klimatischer Bedingungen wieder eingestellt werden.

Ein weiterer Meilenstein war die feierliche Einweihung des neuen Gemeinde- und Feuerwehrhauses im Jahr 1970. Dieses Gebäude wurde zum organisatorischen und gesellschaftlichen Mittelpunkt des Ortes und stärkte das Vereinsleben sowie die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr.

Im Jahr 1971 kam es im Zuge der burgenländischen Gemeindestrukturreform zur Zusammenlegung von Neustift mit den Orten Inzenhof, Kleinmürbisch, Großmürbisch und Tschanigraben zur sogenannten Großgemeinde. Diese Verwaltungsstruktur bestand jedoch nicht dauerhaft: Nach einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes wurde die Zusammenlegung als nicht gesetzeskonform beurteilt, sodass die Großgemeinde mit Wirkung vom 31. Mai 1991 wieder aufgelöst wurde und Neustift seine Selbstständigkeit zurückerlangte.

Die Sicherung der Grundversorgung war ein zentrales Anliegen der Gemeinde. Anfang der 1970er-Jahre trat Neustift dem Wasserverband „Unteres Lafnitztal“ bei und stellte damit eine langfristig gesicherte Wasserversorgung für die Bevölkerung sicher.

Auch im sozialen Bereich wurden wichtige Einrichtungen geschaffen: Im Frühjahr 1977 begann der Bau einer Leichenhalle, die 1979 feierlich eingeweiht wurde. Anfang der 1980er-Jahre startete schließlich der Bau der Kanalisation – ein bedeutender Schritt für Hygiene, Umweltschutz und Lebensqualität.

Ein weiterer wichtiger Fortschritt für Familien erfolgte im Jahr 1990 mit der Aufnahme des Kindergartenbetriebs im Volksschulgebäude von Neustift bei Güssing. Damit wurde die Betreuung der jüngsten Gemeindebürger direkt vor Ort ermöglicht.

In den folgenden Jahrzehnten setzte sich die positive Entwicklung fort: Straßen wurden weiter ausgebaut, die Infrastruktur laufend verbessert und das Gemeinschaftsleben durch Vereine und Veranstaltungen gestärkt. Neustift bei Güssing hat sich so zu einer modernen, lebenswerten Gemeinde entwickelt, die ihre Traditionen bewahrt und gleichzeitig offen für die Zukunft ist.

Bildungseinrichtungen im Wandel

Das Schulgebäude von Neustift bei Güssing, dessen Bau in den 1950er-Jahren begann und das mit dem Schuljahr 1958/59 seinen Betrieb aufnahm, war über Jahrzehnte ein zentraler Bestandteil des Gemeindelebens. Generationen von Kindern aus dem Ort und der Umgebung wurden hier unterrichtet.

Im Jahr 1990 wurde zusätzlich ein Kindergarten im Gebäude der Volksschule eingerichtet, wodurch auch die Betreuung der jüngsten Gemeindebürger direkt im Ort sichergestellt werden konnte.

Aufgrund rückläufiger Kinderzahlen und struktureller Veränderungen im Bildungswesen kam es – wie in vielen kleineren Gemeinden rund um Güssing – in den folgenden Jahrzehnten zu einer Neuorganisation. In diesem Zuge wurde der Schulbetrieb in Neustift bei Güssing in den 2000er-Jahren eingestellt. Auch der Kindergarten wurde im Rahmen dieser Entwicklungen geschlossen.

Heute erinnern das Gebäude und viele persönliche Geschichten an eine prägende Zeit, in der Schule und Kindergarten wichtige Treffpunkte des gesellschaftlichen Lebens in Neustift waren.

Impressionen